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CHECK Berlin #3

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CHECK wendet sich an Schwule und Trans*-Männer jeden Alters, jeder Herkunft oder Weltanschauung. • umfassender Serviceteil mit allen wichtigen Adressen von Beratungsstellen, Apotheken und Ärzt*innen

Diversity ganz klar

Diversity ganz klar sind, entscheidet sich einer der Mitbewohner*innen dazu, Eigenbedarf anzumelden und sich seines menschlichen Lebensraums zu entledigen. Das ist dann manchmal eine End-Of-Life-Situation und sie ist unabwendbar. Meistens schaffen wir Infektiolog*innen es aber, diesen Angriff aus dem Inneren abzuwehren, und die Infektion in den Griff zu bekommen. Den Sieg über die Infektionskrankheiten, der in den Sechzigerjahren ausgerufen wurde, wird es aber trotzdem nie geben. Und was wir gerade erleben, zeigt ja auch, dass immer wieder neue Infektionskrankheiten auftauchen, die uns zu schaffen machen. Soviel zum Hintergrund unserer Arbeit. Wir behandeln hier alle möglichen Infektionskrankheiten, wobei wir in HIV-assoziierte und nicht- HIV-assoziierte Infektionskrankheiten unterteilen. Es können Herzklappenentzündungen sein, Gehirnentzündungen, Entzündungen oder Infektionen der Knochen. Es geht immer darum, den Patient*innen so wenig Antibiotika wie möglich zu geben, um den bakteriellen Kosmos, der auf und in uns lebt, so wenig wie möglich zu beinträchtigen. Infektiologie bedeutet vor allem ein Management des gesamten Krankheitsprozesses. Eine Infektion ist immer ein systemisches Krankheitsbild. Wenn die Bakterien im Blut sind, weil man sich in den Finger geschnitten hat, muss ich wissen, wo sich diese Bakterien überall ablagern können, um eine Entzündung zu behandeln, oder bestenfalls zu verhindern. Wir sind also diejenigen, die lesen können, wie eine Infektion verläuft. Wir holen dann gezielt andere Fachärzt*innen dazu, die uns bei der Behandlung unterstützen. Viele Infektionen lassen sich nämlich durch Antibiotika alleine nicht entfernen, sondern müssen weg-operiert werden. Bei den HIV-infizierten Patient*innen ist es so, dass immer noch viel zu viele AIDS bekommen und dadurch erkranken. Trotz Therapie? Wir gehen davon aus, dass etwa 2000 Menschen in Berlin HIV-positiv sind, ohne dass die Diagnose gestellt wurde. Sie wissen also nichts von ihrer Infektion. Etwa 1000 Menschen sind positiv und machen keine Therapie. Und nochmals 600 Menschen, bei denen die Therapie nicht anschlägt. Diese drei Gruppen haben ein hohes Risiko, AIDS zu bekommen, und AIDS-assoziierte Erkrankungen zu entwickeln. Zum Teil sind das extrem seltene Erkrankungen. Nur ein Beispiel: In Berlin bekommen jedes Jahr von den insgesamt 15000 HIV-infizieren Menschen etwa acht Patient*innen eine Krankheit, die bis heute nicht so richtig verstanden ist: Morbus Castleman. Dabei handelt es sich um eine eigene Tumorart, die in der Brusthöhle, dem Bauchraum, dem Bauchfell und den oberflächlichen Lymphknoten auftritt. Dazu gibt es wenig wissenschaftliche Literatur. Hier kommt unsere Erfahrung ins Spiel. Wir haben über die Jahre so viele Patient*innen damit erfolgreich behandelt, dass wir eines der größten Zentren auf diesem Gebiet geworden sind. Jede einzelne dieser Erkrankungen ist sehr selten, aber in der Summe berlinweit und weltweit betrachtet eben immer noch sehr häufig. Deshalb ist es so wichtig, die Fast-Track-City*-Ziele von 90-90-90 zu erreichen. Welche Vorkehrungen können Patient*innen treffen, dass erst gar kein so schwerer Krankheitsverlauf eintritt? Wir sprechen jetzt von Infektionskrankheiten, die nicht unbedingt mit HIV zu tun haben, sondern bei allen Menschen auftreten können und durch die Bakterien ausgelöst werden, die zu unseren Mitbewohner*innen gehören wird. Der eben genannte Eigenbedarf wird dann angemeldet, wenn irgendetwas anderes im Körper nicht mehr gut funktioniert. *Fast Track Cities Um zu erreichen, dass bis 2030 niemand mehr an Aids erkrankt, wollen die Vereinten Nationen bis 2020 die 90-90-90-Ziele erreichen. Das heißt: 90 Prozent aller Menschen mit HIV sollen entsprechend diagnostiziert sein. 90 Prozent der Menschen mit einer HIV-Diagnose sollen eine lebensrettende antiretrovirale Therapie machen. Und 90 Prozent der Menschen mit einer HIV-Therapie sollen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben, um zu verhindern, dass HIV beim Sex übertragen wird. Wenn man etwa aufgrund eines Herzinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert wird, wenn man zu viel getrunken hat, und die Leber kaputt ist. Oder wenn die Lunge vom zu vielen Rauchen zerstört oder von einem Virus wie Corona geschädigt wurde. Dann kommen die Bakterien und breiten sich im Körper aus. Das ist zwar nicht immer, jedoch meistens so. Schützen kann man sich insofern, als dass man gesund lebt. Oder auch durch Impfungen, die vermeiden, dass gewisse Bakterien und Viren den Körper gar nicht erst befallen können. Ich denke da an Pneumokokken und Impfungen gegen Lungenentzündungen. Oder HPV, wobei das ab einem gewissen Alter zu spät ist. Da ist es wichtig, dass sich besonders junge Menschen impfen lassen. Aber in Deutschland herrscht eine recht schlechte Impfdisziplin, auch weil viele Menschen denken, das sei alles Blödsinn. Interview: Torsten Schwick www.sjk.de/kliniken/klinikinfektiologie Kenne Deinen Status! Es gibt viele Gründe für einen HIV-Test. simplitudebyme.com/de HIV – Selbsttest 34 CHECK | AUSGABE 3

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