Aufrufe
vor 1 Jahr

CHECK Berlin #1

  • Text
  • Praxis
  • Oral
  • Gender
  • Prep
  • Checkpoint
  • Risiko
  • Apotheke
  • Menschen
  • Corona
  • Berlin
CHECK wendet sich an Schwule und Trans*-Männer jeden Alters, jeder Herkunft oder Weltanschauung. • umfassender Serviceteil mit allen wichtigen Adressen von Beratungsstellen, Apotheken und Ärzt*innen

DIE HEILKRAFT VON HANF

DIE HEILKRAFT VON HANF Interview mit Melanie Dolfen, Inhaberin der BezirksApotheken Was ist Medizinalcannabis? Unter medizinischem Cannabis oder Medizinalhanf versteht man den therapeutischen Einsatz der Hanfpflanze mit ihren cannabinoiden Wirkstoffen. Sie werden in Form von getrockneten Blüten, aber auch als Vollspektrum-Extrakte oder Monopräparate, die nur Dronabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD) oder eine Kombi beider Cannabinoide enthalten, eingesetzt. Inzwischen gibt es ca. 40 verschiedene Sorten auf dem deutschen Markt. Was ist der Unterschied zum „normalen“ Gras? Eigentlich gibt es keinen. Der medizinische Hanf wird aber unter speziellen Bedingungen in hochmodernen und zertifizierten Gewächshäusern angebaut. Das Produkt wird ständig auf Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt getestet. Es enthält keine Verunreinigungen durch die Umwelt und wird nicht verändert. Denn die wichtigste Voraussetzung für den Einsatz in einer medizinischen Therapie sind gleichbleibende Zusammensetzung und stabiler Wirkstoffgehalt. Wie kommt der Preisunterschied zustande? Der kontrollierte Anbau unterliegt strengen Sicherheitsauflagen. Das ist für Hersteller*innen eine große Herausforderung. Nicht viele Betriebe schaffen es, eine Erlaubnis für den Anbau zu erhalten. Außerdem sind die Ernten wie bei allen Pflanzen nicht garantiert. Jede Blüte muss im Moment noch importiert werden, da der Anbau nicht überall erlaubt ist. Das ist bei einem streng kontrollierten Naturprodukt mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Die Apotheke muss den Erhalt und die Abgabe der Blüten nach genauen Vorschriften dokumentieren. Dann muss die Ware aufwendig auf Identität geprüft und der Gehalt nachgewiesen werden. Zum Schluss wird dann noch für die Abgabe umgepackt. Dafür ist speziell geschultes 6 CHECK | AUSGABE 1

MEDIZIN MEDICINE Fachpersonal nötig. Und die Apotheke muss auf die Blüten natürlich auch wie auf jede andere Ware Steuern zahlen. Durch diese strengen Kontrollen vom Anbau bis zur Abgabe wissen Patient*innen immer sicher, was er einnimmt. Bei Dealer*innen auf der Straße weiß man dagegen nie genau, was man bekommt... Hier gibt es keine Kontrollen, nur Profit. Die Blüten zu strecken oder verunreinigte Ware abzugeben, ist daher sogar eher der Regelfall. Welche Krankheiten lassen sich damit behandeln? Medizinalcannabis hat ein unglaublich breites Wirkungsspektrum. Leider fehlen durch das jahrzehntelange Verbot klinische Studien und Erfahrungsberichte, die normalerweise als Richtwerte für den Einsatz bei Patient*innen genutzt werden. Auch sind noch lange nicht alle Inhaltsstoffe der Pflanze erforscht. Man kann im Moment nur bei den bekannten Hauptwirkstoffen auf bestimmte Wirkungen schließen. Die häufigsten Indikationen für Medizinalcannabis sind bisher chronische Schmerzen (chronische und neuropathische Erkrankungen), nicht aber akute Schmerzen. Des Weiteren Spastiken und Muskelkrämpfe, starke Übelkeit und Erbrechen (auch medikamentenbedingt), Appetitlosigkeit und Abmagerung (etwa in Folge von Chemotherapie) und Schlafstörungen. Dronabinol ist bekannt für seine appetitanregende Wirkung und gute Erfolge bei Gewichtserhalt und Gewichtszunahme. Es sind viele weitere Indikationen denkbar, und einige werden sogar schon in Einzelfällen mit Medizinal-Cannabis behandelt. Wir stehen aber noch am Anfang. Wie werden Cannabisblüten angewendet? Die Blüten werden oral oder inhalativ über einen Verdampfer angewendet. Oral meist als Cannabis- Vollspektrum-Extrakt oder Monopräparat, wie etwa ölige Dronabinol-Lösungen, die patientenindividuell in der Apotheke hergestellt werden. Inhalativ werden die Blüten mit Hilfe von Vaporisatoren verdampft. Durch die Erhitzung bei ca. 200 Grad entsteht ein inhalierbares Aerosol der Inhaltsstoffe. Die Therapie wird bei geringster Dosierung begonnen, um unerwünschte Effekte oder Nebenwirkungen vorzubeugen. Patient*innen reagieren unterschiedlich und müssen zusammen mit ihren Ärzt*innen die richtige Dosis und Anwendungsform herausfinden. Abgestimmt auf die jeweiligen Patient*innen wird die Dosis dann sukzessive bis zu einer Verbesserung der Symptomatik oder der krankheitsbedingten Beschwerden erhöht. (cm) BezirksApotheke – Schwerpunktapotheke Medizinalcannabis Rathausstr. 5 10178 Berlin www.bezirksapotheke.de CHECK | AUSGABE 1 7

Unsere Magazine

Regionalseiten
männer* – das queere Onlinemagazin

Unsere News

About us

blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.