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CHECK Berlin #1

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CHECK wendet sich an Schwule und Trans*-Männer jeden Alters, jeder Herkunft oder Weltanschauung. • umfassender Serviceteil mit allen wichtigen Adressen von Beratungsstellen, Apotheken und Ärzt*innen

Immer drauf? Ein Anruf

Immer drauf? Ein Anruf schafft Klarheit Chemsex ist in weiten Teilen der queeren Szene verbreitet. Einige tun es manchmal, andere ständig. Wie weit das bereits für den Einzelnen zum Problem geworden ist, kann man in einem anonymen Gespräch herausfinden. Wir sprachen mit Andrea Piest vom Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e.V. Frau Piest, wie hoch schätzen sie das Risiko innerhalb der queeren Szene ein, dass sich für Einzelne Chemsex zum ernsten Problem entwickelt. In meiner Erfahrung sind Menschen aus der queeren Szene unglaublich gut reflektiert. Das liegt vielleicht daran, dass sie sich bereits mit dem Anderssein ihrer Bedürfnisse länger und intensiver auseinandergesetzt haben. Dadurch sind sie weniger gehemmt, über Tabuthemen zu sprechen. Dennoch sehen wir, dass die Szene in Bezug auf Chemsex die größte Risikogruppe ist. Inwiefern? Für jemanden, der nicht aus der Szene kommt, ist das schwer zu beschreiben, ohne dass es nicht stereotypisierend wirkt. Was wir sehen ist, dass Menschen, die Sexualität und Substanzen miteinander verknüpfen eher aus der queeren Szene kommen und somit ein höheres Risiko haben. Gerade auch, weil das Konzept von sex-positiven Parties – privat oder in Clubs – häufig in der queeren Szene verankert ist. Es gibt natürlich auch heteronormative Sex- Parties, aber die haben einen anderen Stellenwert. Was sind begünstigende Faktoren, um wieder zu einem normalen Umgang mit Sexualität und Substanzkonsum zurückzufinden. Das soziale Umfeld spielt eine große Rolle. Wenn ich mich nur mit Kontakten umgebe, die permanent ihre Sexualität im Drogenrausch erleben, wird es natürlich besonders schwer. Strukturen helfen enorm: Ein toller Job, den man gerne mag. Oder ein Hobby. Dann geht es darum, zu üben, wieder Sex ohne Drogen zu haben. Das Gehirn hat gelernt, dass Sexualität nur positiv ist, wenn Drogen konsumiert werden. Diese Verknüpfung kann man nicht komplett wieder trennen. Man kann aber neue Verknüpfungen schaffen. Es ist durchaus möglich, auch wieder Sexualität in Kombination mit Substanzen zu erfahren. Aber nur dann, wenn es keine echte Abhängigkeitserkrankung gab. Wenn jemand wirklich erkrankt und von einer oder mehreren Substanzen abhängig ist, ist eine Rückkehr nach aktueller Forschungslage nicht möglich. Also besser mit dem Problem auseinandersetzen, bevor es eskaliert? Auf jeden Fall. Es schadet ja auch nicht, wenn man sich hier meldet und die Probleme anspricht. Man muss weder seinen Namen sagen, noch wo man wohnt. Es ist nur ein Gespräch, bei dem man sich Feedback einholen kann. Oder einfach um herauszufinden, wo man gerade eigentlich steht. Die Mitarbeiter*innen des Drogennotdienst sprechen Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Persisch. Für weitere Sprachen kann gegebenenfalls eine Sprachmittler*in hinzugezogen werden. (ts) Drogennotdienst Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e.V. Genthiner Straße 48 10785 Berlin +49(0)30 - 23 32 40 200 48 CHECK | AUSGABE 1

Always High? A Phone Call Brings Clarity EN Chemsex in the queer scene is a widespread phenomena. Some do it randomly, others do it all the time. If you want to find out whether this has already become a problem for you, a simple phone might already help. We spoke to Andrea Piest from the emergency service for addicts at risk and addicted (Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e.V.). Frau Piest, how would you asses the risk within the queer scene that chemsex becomes a serious problem for individuals. In my experience, people from the queer scene are incredibly self-aware. Perhaps this is because they have already dealt with their needs being different for longer and more intensively. They are less inhibited about addressing topics that are generally seen as taboo. Still, we see that the queer scene is the biggest risk group with regard to chemsex. In what way? For someone who is not part of that scene, it‘s hard to describe without being stereotypical. What we see is that people who link sexuality and substances tend to come from the queer scene and are therefore at a higher risk. Especially because the concept of sex-positive parties - private or in clubs - is often anchored in the queer scene. There are of course heteronormative sex parties, but they have a different status. What are favorable factors to get back to a “normal” sexuality and substance use? The social environment plays an important role. If I only surround myself with contacts who are permanently experiencing their sexuality under the influence of drugs, it will of course be particularly challenging. Structures help enormously: a great job that you like. Or a hobby. Then it‘s about practicing having sex without drugs again. The brain has learned that sexuality is only positive when drugs are used. You cannot completely cut this link. But you can create new links. It is quite possible to experience sexuality in combination with substances again. But only if there was no real addiction illness. If someone is really ill and dependent on one or more substances, a return is not possible, at least not according to current research. So better deal with the problem before it escalates? Definitely. And it doesn‘t hurt either to report here and address the problems. You don‘t have to say your name or where you live. It‘s just a conversation where you can get feedback. Or simply to find out where you are at. The staff of the Drug Emergency Service speak German, English, Turkish, Arabic and Persian. If necessary, a language mediator can be consulted for other languages. (ts) Drug emergency service Emergency service for addicts at risk and addicted Berlin e.V. Genthiner Strasse 48 10785 Berlin +49(0)30 - 23 32 40 200 CHECK | AUSGABE 1 49

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.