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CHECK Berlin #1

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CHECK wendet sich an Schwule und Trans*-Männer jeden Alters, jeder Herkunft oder Weltanschauung. • umfassender Serviceteil mit allen wichtigen Adressen von Beratungsstellen, Apotheken und Ärzt*innen

TRANS*MEDIZIN

TRANS*MEDIZIN TRANS*MEDICINE - Geschlechtsidentität – sexuelle Präferenz – um nur einige zu nennen. Das ist keine vollständige Abbildung des Prozesses der Emanzipierung und des Coming Out, es ist lediglich ein Versuch der Konzeptualisierung und ist keinesfalls statisch. Diese Form der Emanzipation kann sowohl als Mitgift mit Potential als auch als Belastung empfunden werden. Welche Ressourcen die Person dabei hat (bzw. mitbringt und entwickelt), in welchem Umfeld sie aufgewachsen ist, wie viel Unterstützung die Person etwa sozial oder medizinisch erhält, sind dabei entscheidende Einflussfaktoren. Nicht zuletzt hängt es davon ab, wie viel positive Resonanz und Akzeptanz eine Person erhält, um mit belastenden Situationen umzugehen und um gestärkt zu werden. Freier Wille und Consent Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, medizinisch tätige Fachkräfte, Sozialarbeiter*innen, Pfleger*innen, Arzthelfer*innen, Laborassistent*innen sollen bei der Transition begleiten, aufklären, hinterfragen und unterstützen. Ohne allerdings dabei eine Gatekeeping-Funktion auszuführen und die Entscheidungen der transitionierenden Person zu blockieren. Auch für besagte Fachpersonen ist das oft nicht einfach: Zum einen sind die meisten Medical Professionals selbst in einem binären System sozialisiert und identifiziert, was das medizinische Handeln außerhalb einer binären Denkweise erschwert. Zum anderen besteht immer der Wunsch nach Absicherung. Mit der aktuellen medizinischen Leitlinie ist dieses Problem deutlich minimiert worden. Es ist wichtig, die transitionierende Person durch Informationen und Begleitung zu unterstützen, um zu informierten Entscheidungen zu befähigen. Wo fühle ich mich zugehörig? Wie verändert sich die Zugehörigkeit zu verschiedenen Communities wie schwul-lesbisch, cis*, trans* oder auch die Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft? Im heteronormativen Kontext sind die Coming Outs bei Es ist wichtig, die transitionierende Person durch Informationen und Begleitung zu unterstützen, um zu informierten Entscheidungen zu befähigen. non konformen Menschen eine Besonderheit in der Biografie: Es handelt sich um einen lebenslangen Prozess, der durch seine sozialen Aspekte sehr individuelle Spannungsfelder mit sich bringen kann. Fortlaufend fallen Entscheidungen an, was in welchem Kontext erzählt und preisgegeben werden soll. Sich verändernde Bedingungen und Lebensereignisse stellen immer neue Herausforderungen dar: Gesetzesänderungen, neue Beziehungskonstellationen, Migration, Arbeitsplatzwechsel oder Ortswechsel. Zudem setzen erlebte und sich ändernde Diskriminierungen und Privilegierungen immer wieder innere psychische Prozesse in Gang und machen erneute Anpassungsleistungen notwendig. Der Begriff „Stealth Leben“ bezeichnet dabei einen Teil des Lebens, welcher als angepasst und oder unsichtbar zu verstehen ist. „Stealth“ stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie heimlich oder unsichtbar. Für 18 CHECK | AUSGABE 1

transidente Menschen beschreibt es die Situation, dass der frühere Lebensabschnitt, die Vergangenheit vor dem Prozess nicht mehr sichtbar ist. Unterstützung und Solidarität Das Narrativ des Geschlechts hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Natürlich haben die Begriffe Mann und Frau weiterhin ihre Daseinsberechtigung, aber es sind viele Schattierungen und Zwischenstufen hinzugekommen. Die binären Kategorien des Geschlechts werden durchlässiger und der Raum für gesellschaftliche Vielfalt öffnet sich zunehmend. Mehr Menschen zeigen sich und nehmen diesen Raum für sich in Anspruch. Die gesellschaftliche Konstruktion eines binären Geschlechts kann heute angezweifelt, bestritten und hinterfragt werden. Nötig sind Begleiter*innen und Helfer*innen, die auf Kooperation, auf Entwicklung von Selbstwirksamkeit und auf Fähigkeit der Selbstverantwortung setzen. Menschen, die solidarisch handeln ohne Angst vor der Veränderung, die Lebendigkeit immer mit sich bringt. Autor: Martin Viehweger, Co-Autor: Alexander Hahne ViRo - Infektiologische Schwerpunktpraxis und Transmedizin in Neukölln Dr. Martin Viehweger www. viropraxis.de www.alexanderhahne.com Cis*gender lautet die Bezeichnung für Menschen, deren Geschlechtsidentität auch dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Genderfluid versucht eine zwischen zwei oder mehreren Geschlechtern wechselnde Geschlechtsidentität zu beschreiben. Das * (Gendersternchen) bezeichnet gleichzeitig Männer, Frauen und alle anderen Geschlechteridentitäten. Inter* bzw. Intergeschlechtlichkeit, auch Intersexualität, beschreibt Menschen, deren Körper sich aufgrund der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale und/oder des Chromosomensatzes nicht in die Kategorien männlich oder weiblich einordnen lassen. Nichtbinär (auch: non-binär) bedeutet, dass man nicht in das zweigeteilte Geschlechtersystem, also Mann und Frau, passt. Vielmehr müsste es eine andere Geschlechtsbeschreibung oder gar keine dafür geben. Die Begriffe Transgender, Transsexualität oder Transidentität werden oft verwendet , wenn sich Menschen nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. CHECK | AUSGABE 1 19

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.