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CHECK Berlin #1

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CHECK wendet sich an Schwule und Trans*-Männer jeden Alters, jeder Herkunft oder Weltanschauung. • umfassender Serviceteil mit allen wichtigen Adressen von Beratungsstellen, Apotheken und Ärzt*innen

TRANS*MEDIZIN

TRANS*MEDIZIN TRANS*MEDICINE Trans*ition Der Versuch einer wertfreien Brücke zwischen medizinischer und Community-Perspektive Vor gut zwei Jahren wurde in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD) festgelegt, dass Transsexualität als Geschlechtsinkongruenz im Kapitel der sexuellen Gesundheit zu finden sein wird und damit nicht mehr als psychische Krankheit gilt. Die Änderung tritt voraussichtlich 2022 in Kraft. Höchste Zeit also, in Punkto Forschung, Schulung und Aufklärung aufzuholen. Unter Transmedizin versteht man das allgemeine gesundheitliche Versorgungsprofil für Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Zu den körperlich-medizinischen Aspekten gehören dabei eine gründlichen Anamnese, Aufklärung über Wirkungen und Nebenwirkungen von hormoneller Unterstützung, Aufklärung über irreversible Maßnahmen wie Operationen, Verordnung entsprechender Hormone, laborchemische und somatische Verlaufskontrollen, Versorgung prä- sowie post-operativer Eingriffe und die Begleitung im Transitionsprozess. Transition beschreibt den Prozess der sozialen, rechtlichen und oder medizinischen Angleichung an die individuelle Geschlechtsidentität, etwa mittels 16 CHECK | AUSGABE 1

Coming Out, Namensänderung, Hormonbehandlung und oder Operationen. Die Selbsterkenntnis, trans* zu sein, wird nicht frei gewählt und die entsprechenden Gefühle, die damit verbunden sind, können nicht einfach abgestellt oder abgelegt werden. Selbstbestimmt im eigenen Körper ankommen Die lebensweltliche Erfahrung der betreffenden Trans*Personen hat immer Vorrang. Es geht um die Verbesserung der subjektiven Lebensqualität. Darum also, sich im eigenen Körper und der Umwelt wohl zu fühlen. Aus ärztlicher Sicht liegt die Kunst dabei nicht im Verschreiben von Hormonen, sondern in der Begleitung. Die Verantwortung ist nicht, den Klient*innen die Verantwortung abzunehmen – sie entscheiden selbst, ob sie einzelne Veränderungen und Schritte gehen wollen oder nicht. Das binäre Modell Im binären Modell besteht die Möglichkeit die Angleichung von einem Geschlecht, welches einer Person bei der Geburt zugeschrieben wird und mit welchem die Person wahrscheinlich sozialisiert wurde, zum binär anderen Geschlecht vorzunehmen. Also von Mann zu Frau oder umgekehrt. Bei manchen Transpatient*innen stellt sich die Zufriedenheit oft erst dann ein, wenn man im gewünschten Geschlecht als solches erkannt wird. Das „passing“, also das Durchgehen als Mann oder Frau, spielt oft eine wichtige Rolle. Auch diversere Ansätze, Betrachtungsweisen und „Modelle“ führen durch den Transitionsprozess. Näheres dazu wird in den folgenden Abschnitten umrissen. Das Problem mit der Norm Die Regeln einer binär-normierten Gesellschaft sind meist sehr eng definiert. Wie oft wird einem als männlich geborenem cis-Mann Effemination vorgeworfen, etwa weil er lange Haare oder Nagellack trägt, ohne sich dabei selbst als trans* zu definieren. Trans*Menschen werden von zu eng definierenden Gesellschaften immer wieder falsch gelesen. Es findet kein „passing“ statt und die gewünschten Attribute werden als ungenügend ausgeprägt empfunden. Eine geschlechtlich binär denkende, heteronormative Gesellschaft hat häufig Schwierigkeiten bei der Zuordnung. Daraus entstehen Schwierigkeiten für die trans* Person. Diese Zuordnung scheint für die meisten allerdings elementar, da sie Halt, Stabilität, Sicherheit, Klarheit und Struktur gibt. Selbstfindung und Widerstand Eine geschlechtlich binär denkende, heteronormative Gesellschaft hat häufig Schwierigkeiten bei der Zuordnung. Daraus entstehen Schwierigkeiten für die trans*Person. Sich selbst eine sexuelle Identität aneignen, sich nicht im Binären platzieren zu müssen, bedarf eines grundlegenden Emanzipationsprozesses. Doch wovon? Er findet auf mehreren Ebenen statt: Erziehungsgeschlecht (physiognomisches Geschlecht plus Erziehung) – Identitätsfindung referenziell zur Peer-Group CHECK | AUSGABE 1 17

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.