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CHECK Ba-Wü #1

GESUNDHEITSWESEN IMPFEN:

GESUNDHEITSWESEN IMPFEN: ZWANG, PFLICHT ODER FREIWILLIGKEIT? Nach über einem Jahr Pandemie sind wir mittlerweile so weit, dass es einen Impfstoff gegen COVID-19 gibt, der uns im Falle einer Ansteckung vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen soll. Viele Menschen wollen sich aber gar nicht impfen lassen. Unsicherheit, Unverständnis oder einfache Ablehnung von Autorität spielen dabei sicherlich auch eine Rolle. Wie kann unsere Sprache dazu beitragen, dass wir gemeinsam eine vernünftige Lösung finden, um endlich wieder in die Normalität zurückzukehren? GEWALT VON OBEN ODER MORALISCHES GEBOT? Bei der Impfung gegen COVID-19 stellt sich die eigentliche Frage nach der Freiwilligkeit. Niemand muss sich impfen lassen, zumindest nicht nach gegenwärtiger Gesetzeslage. Wieso aber werden dann Begriffe wie Impfpflicht oder Impfzwang verwendet? Die deutsche Sprache erlaubt es uns, alles Mögliche und Unmögliche miteinander zu verknüpfen. Impfen ist laut Duden die Verabreichung eines Impfstoffes an jemanden. Und Zwang ist die Einwirkung auf jemanden. Ein negativ belegter Begriff wird also mit einem eigentlich positiv belegten Wort kombiniert, was in der Folge dann auch schlechtgemacht wird. Spricht man hingegen von Pflicht, wird der Begriff der Impfung mit einer moralischen Ebene verknüpft. „UNWÖRTER“ ERKENNEN UND AUF SPRACHE ACHTEN Das Wort „Corona-Diktatur“ wurde von Sprachwissenschaftlern zum Unwort des Jahres 2020 gekürt. Diese Form von Wortmanipulation kommt immer wieder vor. So gab es eine Impfpflicht und entsprechende „Kampfbegriffe“ bereits zu Zeiten, als in Deutschland noch ein Kaiser regierte. Zwei große Pocken- Ausbrüche hatten damals hunderttausende Menschen getötet. Aus dieser Zeit stammen Bücher wie „Der Impfzwang“ und die Zeitschrift „Der Impfgegner“. Die Meinungsfreiheit sollte jederzeit gewährleistet werden. Jedoch kann sich eine schlechte Sprachwahl negativ auf die Art und Weise auswirken, wie Menschen fundierte Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen. ES IST SCHWER, DER SITUATION ZU VERTRAUEN Kanzlerin Merkel und viele weitere Regierungsvertreter sprechen gezielt von „Impfangeboten“, um Gedanken an eine Pflicht zu zerstreuen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass man bestimmte Dinge vielleicht nicht machen kann, wenn man nicht geimpft ist. Die Entscheidung, sich impfen zu lassen, bleibt jedoch eine freiwillige. Und das sollte auch weiterhin die Basis für die öffentliche Diskussion sein. Auf solche Details zu achten, wird vielleicht die Pandemie nicht beenden. Aber es wird uns allen helfen, mit weniger Sorgen, Stress und Angst durch die Krise zu kommen. (ts) Quelle: Udo Stiehl, WDR (www1.wdr.de/nachrichten/coronaimpfungen-kampfbegriffe-ausalten-zeiten-100.html) 6 CHECK BADEN-WÜRTTEMBERG #1

PUBLIC HEALTH VACCINATIONS: FORCED, VOLUNTARY OR OUT OF DUTY? ENGLISH After more than a year of pandemic, we are now so far advanced that there is a vaccine against COVID-19. It should protect us from a serious disease in the event of an infection. However, many people don’t want to be vaccinated at all. Uncertainty, lack of understanding, or simple rejection of authority certainly also play a role. How can our language help us find a sensible solution together so that we can finally go back to normal life? STATE ORDER OR MORAL IMPERATIVE? Nobody needs to be vaccinated, at least not according to the current legal situation. But why are terms such as mandatory or compulsory vaccination used? Language gives us the freedom and ability to combine both the possible and impossible. Take ‘forced vaccination’ as an example. The word vaccination means the administration of a vaccine to someone. The word forced, however, describes that someone has to do something by order of authority. So, a term with a negative connotation is thus combined with a word that actually has a positive connotation. As a result, the phrase is then devalued. If, on the other hand, one speaks of duty, the concept of vaccination is linked to a moral level. RECOGNIZE ”UNWORDS“ AND PAY ATTENTION TO LANGUAGE The phrase “Corona- Diktatur” (Corona Dictatorship) was chosen by German linguists as the unword of the year 2020. This kind of word manipulation has been cropping up again and again over the years. For example, there was a compulsory vaccination at the time when an emperor was still ruling in Germany. While two large outbreaks of smallpox killed hundreds of thousands of people at the time, publications such as ”Der Impfzwang” (Forced Vaccination) and the magazine “Der Impfgegner” (Opponent of Vaccinations) appeared. Freedom of speech and expression should at all times be encouraged. But a poor choice of language may negatively impact the way people make informed decisions about their health. IT‘S HARD TO KNOW WHAT OR WHO TO TRUST “I give you my word: there will be no compulsory vaccination in this pandemic,” said German Federal Health Minister Jens Spahn. Chancellor Angela Merkel and many other German government representatives speak specifically of “vaccination offers” to dispel thoughts of duty. At the same time, it has been pointed out that there may be certain things you cannot do if you are not vaccinated. The decision to get vaccinated, however, remains a voluntary one. And that should continue to be the basis for public discussion. Paying attention to such details may not end the pandemic, but it’ll help us all to navigate through the crisis with less worry, stress and fear. (ts,mb) Source: Udo Stiehl, WDR (www1.wdr.de/nachrichten/corona-impfungenkampfbegriffe-aus-alten-zeiten-100.html) Foto: Jacob Lund_stock.adobe.com CHECK BADEN-WÜRTTEMBERG #1 7

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