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CHECK #3 Bayern

Reise WANDERN Ein

Reise WANDERN Ein Wundermittel, das gesund und glücklich macht Werden die Wanderer ankommend aus Deutschland und der Schweiz von den Schönheiten des einzigen portugiesischen Nationalparks Pendeda-Gerês ebenso begeistert sein wie ich? Und wie werden wir uns in der Männergruppe verstehen? Schon bei der Begrüßung am Flughafen Porto war mir als Gruppenguide klar: das sollte passen. Acht sonnenhungrige Männer, im Gepäck die Wanderstiefel, freuten sich, das nasskalte Wetter im Norden mit dem warmen portugiesischen Spätsommer zu tauschen. Nordportugal ist trotz seiner geringen Breite von nur etwa 200 Kilometern höchst vielfältig. Vom Atlantik im Westen hebt sich das Land über das Gebirge des Nationalparks Peneda- Gerês mit einer Höhe von bis zu 1545 Meter über Meer und erstreckt sich über den Naturpark von Montesinho bis hin zur spanischen Grenze. Ähnlich abwechslungsreich wie das Relief gestaltet sich auch die Flora. Der Duft von Zitronen und Orangen strömt in Atlantiknähe vor allem in den Frühlingsmonaten durch die Luft. Im Landesinneren reichen Oliven- und Mandelhaine, soweit das Auge reicht. In den Höhenlagen dominieren mystische Buchen und Eichen, die auf bezaubernde Weise von Moosen und Farnen besiedelt sind. Zusammen mit meinem portugiesischen Berufskollegen Rui unternahmen wir auf dieser Wanderreise fünf Tagestouren mittleren Levels. Sein sonnengegerbtes Gesicht strahlte am ersten Morgen in Konkurrenz mit dem stahlblauen Himmel. Ideale Voraussetzungen also für die Einstiegstour. Auf dem „Moinhos de Santa Isabel Pfad“ war eindrücklich zu erleben, wie hier in dieser Randregion Portugals noch heute der traditionelle tägliche Kreislauf vom Getreide bis zum fertig gebackenen Brot mit viel Handarbeit und überliefertem Wissen funktioniert. Vorbei an traditionellen Wassermühlen und Getreidespeichern bis zu der regionalen Holzofenbäckerei haben wir uns so richtig warmgelaufen und fühlten uns gut vorbereitet für die weiteren Wandertage. Die schwulen oder bisexuellen Wanderer, die von Berlin bis Aarberg und von Bad Tölz bis Zürich angereist sind, waren nach einem Tag bereits bestens als Gruppe vertraut. Warum ist Wandern gesund? Wandern hält fit – sowohl körperlich als auch seelisch. Die frische Bergluft und die schöne Kulisse helfen dabei, dem Alltagsstress zu entfliehen und den Kopf freizubekommen. In Kombination mit der gleichmässigen Bewegung, die beim zu Berge gehen ausgeübt wird, ergeben sich zahlreiche positive Gesundheitseffekte. Zeit also, mal wieder die Wanderstiefel zu schnüren, die Natur zu spüren und die Aussicht zu genießen. 70 CHECK BAYERN #3

Reise Markus, der athletischste Teilnehmer, war schon beim Frühstück am nächsten Morgen nervös. Denn er freute sich vor allem auf das Naturschwimmen, das Rui euphorisch für den heutigen Wandertag angekündigt hatte. Wir wurden zum Berg Pedra Bela hochgefahren. Vom heutigen Ausgangspunkt, dem eindrücklichen Arado-Wasserfall, sind wir zu einem kleinen Bergsee gewandert und kamen auf dem steilen Aufstieg ganz schön ins Schwitzen. Als Belohnung gönnten wir uns ein kurzes textilfreies Bad im doch eher kühlen, aber klaren See. Hier wurde uns so richtig bewusst, dass wir bisher fast keinen anderen Wandernden begegnet sind. Der Norden Portugals unweit der spanischen Grenzen ist dünn besiedelt. Das Landschaftsbild ist geprägt von Hochebenen die von Granitblöcken übersät sind, Weideland und Schluchten. In den kleinen Dörfern bestehend aus kleineren Steinhäusern, die mehrere hundert Jahre alt sind, wurden meisten am Rand eines Hügelzuges gebaut. Nie vergessen werden wir wohl das Naturschauspiel bei der Blauen Lagune (Poço Azul), die der natürlich gestaute Fluss Conho bildet. Das kristallklare Wasser und mehrere Kaskaden, die in die Lagune münden, wirken schon fast kitschig schön. Das Programm des letzten Wandertages passten wir kurzfristig an. Es kam Regen auf und wir hätten aus Gründen der Sicherheit nur eine verkürzte Route vorsehen können. Spontan wechselte Rui den Hut und wurde zu unserem Fahrer und Städteguide. Zusammen mit ihm erkundeten wir die rund 30 km entfernte über 2000 Jahre alte Stadt Braga. Die malerischen Gässchen, Häuserfronten mit bunten Fliesen und die UNESCO-geschützte Wallfahrtskirche Bon Jesus do Monte mit ihrer eindrücklichen Treppe, haben uns zum Abschluss noch einen kulturellen Höhepunkt beschert. Der schönste Lohn für mich als Gruppenguide sind die fröhlichen Gesichter der begeisterten Reiseteilnehmer, die zu Freunden geworden sind und noch lange von den Wandererlebnissen und den vielen neu gewonnenen Eindrücken zehren können. Autor: Marcel Sonderer, Gruppenguide Der Reiseveranstalter Pink Alpine führt die geführte Gay Wanderreise im Norden Portugals mehrmals pro Jahr durch. Die nächste Reise ist vom 10. bis 17. Oktober 2021 geplant. Weitere Infos auf pinkalpine.de CHECK BAYERN #3 71

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