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blu November/Dezember 2020

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20 STYLE NACHGEFRAGT

20 STYLE NACHGEFRAGT #FFM Fashion FOTO: LENA SANDER, MODEL: U. A. MASSIMILIANO GULINO FOTO: MATTIAS BISIGNANO Ab Sommer 2021 werden große Teile des deutschen Modezirkus in der Bankenstadt Frankfurt am Main über die Bühne gehen. Wir sprachen mit Georg Maximilian Dickhaut, dem Geschäftsführer des dort beheimateten Modelabels MIZE FASHION, das nachhaltig wirtschaftet und gegen Gender-Stereotypen und Bodyshaming ist. Freust du dich auf die Fashion Week? Ich und mein Team, wir freuen uns auf die Fashion Week, weil die Veranstaltung eine Chance und auch eine weitere Plattform für uns ist. Alles in allem ist es für ein Start-up und den dahinterstehenden Gründer, aus egal welchem Bereich, in den ersten Jahren hart, sich zu behaupten und stehen zu bleiben, egal wie dunkel und heftig der Sturm auch werden mag. Horcht man einmal in die Gründerszene, dann ist es die Existenzangst, das Angstgefühl, das den Gründern am meisten zu schaffen macht, sie sogar in Depressionen treiben kann bis hin zum Selbstmord. Wir wollen etwas mit unseren Produkten, also unseren Kollektionen und unseren Kosmetikartikeln, verändern und eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung mitgestalten und Week UPDATE vorantreiben. Das können wir nur, wenn wir existieren und wenn man uns eine Chance gibt zu wachsen. Die Fashion Week ist solch eine Chance. Allein die Präsenz, also das Sichtbarmachen, ist für ein Label wie uns unglaublich wichtig – fast vergleichbar mit den Christopher Street Days, die für unsere Community eine tragende Rolle in puncto Sichtbarkeit sind. Man möchte gehört und gesehen werden. Klar schmeckt das dem ein oder anderen Label vielleicht nicht, wenn es Konkurrenz gibt, die die Kategorien „for women“ oder „for men“ abschaffen und damit vielleicht Erfolg haben. Na ja, ich will nicht abschweifen … Kurzum, Chancen, insbesondere Chancen zu wachsen und das Sichtbarmachen sowie Menschen für unsere Mode zu begeistern, das löst die Freude auf die Fashion Week in uns aus. Wird MIZE FASHION denn mitmachen? Die in der ersten Antwort genannten Chancen sind uns so wichtig, dass wir alles tun werden, um auf der Fashion Week Präsenz zeigen zu können. Wenn auch die finanzielle Lage von MIZE FASHION sowie meine als Gründer uns derzeit stark zu Boden drückt. Unser Label ging mit unserem beschaulichem Showroom zur Berlin Fashion Week im Januar 2020 an den Start, im Monat darauf launchte unser Onlineshop und im März kam Corona. Unser Konzept ist gut, Investoren sind angeblich beeindruckt, aber die Krise soll nach Aussagen von diversen Business Angels und Investoren sie dazu zwingen, ihr Geld in durch starke Sicherheit geprägte Anlagen zu stecken, wie zum Beispiel Gold. Da bleibt dann nichts mehr übrig für ein innovatives Label, das sich für eine positive gesellschaftliche Entwicklung starkmacht. Alles in allem geben wir, und insbesondere ich als Gründer von MIZE FASHION, nicht auf, dafür ist die ganze Sache dahinter zu wichtig. Unsere derzeitigen Pläne sind, klar, in erster Linie einen Investor finden, damit Geld vorhanden ist, und die weiteren Projekte, wie zum Beispiel eine deutschlandweite Werbekampagne, Entwicklung der nächsten Kollektion sowie Kosmetikartikel, damit einhergehend Senkung der Produktionskosten, weil MIZE FASHION die Mode und Produkte im mittleren Preissegment anbieten möchte, Ausbau der Website, Pop-up-Stores etc., finanziert werden können. Für die anstehenden Fashion Weeks, also Januar 2021 in Berlin und Sommer 2021 in unserer Heimatstadt Frankfurt am Main, überlegen wir uns derzeit ein Konzept, wie wir auf

STYLE 21 beiden Veranstaltungen MIZE FASHION zeigen können. Den engeren Fokus legen wir dabei auf die Fashion Week im Sommer 2021 in Frankfurt am Main. Na ja, wir sind ein Frankfurt-based Label, tief verankert in der Frankfurter LGBTQIA* Community, haben vor Ort diverse Kooperationen wie zum Beispiel mit dem Drag Slam Frankfurt am Main. Diese Synergien wollen wir im Sommer 2021 zur Fashion Week nutzen: MIZE FASHION Dragwalk/Draglaufsteg auf der Fashion Week, Drag-Slam-Veranstaltung als Side Event zur Fashion Week, After-Partys nach unseren Runways in den Frankfurter LGBTQIA* Szene-Bars, wie zum Beispiel dem PINK Frankfurt. Wir tüfteln gerade daran, dass ein*e Gewinner*in des Drag Slam FFM eine Teilnahme an dem MIZE FASHION Dragwalk auf der Fashion Week im Sommer 2021 gewinnen kann. Berlin gilt deswegen als Modestadt, weil hier die Trends auf der Straße entstehen und von den dort lebenden Designern aufgegriffen werden. Wie stehen die Chancen für Frankfurt, es Berlin nachzutun? Dass Berlin aus dem genannten Grund als Modestadt gilt, sehe ich genauso. Eine Chancenanalyse, dass Frankfurt es Berlin eins zu eins nachtun kann, kann ich tatsächlich nicht abgeben. Die Schwingungen der Umgebung, also die Stadt, in der die Designer leben, haben zweifellos einen Einfluss auf das, was am Ende des kreativen Schaffensprozesses herauskommt. Deshalb möglicherweise auch bei uns die Entscheidung, in der „Coming-out Collection“ beinahe schon penetrant mit unserem Logo zu arbeiten und eine Monogrammoptik zu wählen, um den Effekt eines Statement Piece herbeizuführen, weil wir das modische Statement für Diversity sein wollen. „Frankfurt: Stadt für alle“ ist der allgemein bekannte Slogan von Frankfurt am Main, und diese Vibes werden gelebt. Klar, die Bankenkulisse und Menschen in Anzügen sind Teil der Stadt, sie sind aber nicht die ganze Stadt. Ich denke und ich fühle es auch, dass die Vielfalt in Frankfurt am allerbesten das Bild der Stadt widerspiegelt. Die Trends, die hier in Frankfurt auf der Straße entstehen, sind mit Sicherheit andere als in Berlin, aber ich denke, sie sind genauso würdig sie aufzugreifen. Worauf legst du wert, wenn du deine Mode präsentierst? Authentizität steht bei uns an erster Stelle. Schreiben wir Shootings aus und sind auf der Suche nach Models, ist uns Authentizität am wichtigsten. Eine aufgesetzte Darstellung unseres Labels würde zu einer Welt und Zeit gehören, in der wir nicht leben möchten. Das heißt insbesondere auch, in Bezug auf die kommenden Fashion Weeks werden wir auf den Laufstegen unserer Shows alles abbilden, was die Vielfalt unserer Gesellschaft zu bieten hat, und nicht nur das auf den Fashion Weeks bereits zum Klischee gewordenen Stereotyp eines Models zeigen. Was erhoffst du dir von der Fashion Week? Von der Fashion Week erhoffen wir uns, wieder einen Schritt weiterzukommen, also unsere Vision weiter voranzutreiben und noch mehr Menschen für das, was wir machen, zu begeistern und ihnen auch zeigen zu können, dass es in der Modewelt viel, viel mehr gibt und möglich ist, als nur die zu oft beworbenen und ausgestrahlten heteronormativen Typen. *Interview: Michael Rädel www.instagram.com/mize_fashion

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.