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blu Mai / Juni 2021

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MUSIK FOTO: WARNER MUSIC

MUSIK FOTO: WARNER MUSIC NACHGEFRAGT MARINA Zoom-Interview mit Katze Marina Diamandis plagen gleich mehrere Allergien. Dauernd muss sie niesen und schniefen, sie unterbricht sogar kurzfristig das Gespräch, um sich neue Taschentücher zu holen. Weil sie nicht in Bestform ist, möchte die Sängerin während des Zoom-Interviews die Kamera lieber ausgeschaltet lassen. Auch ohne Bildübertragung kriegt man allerdings einiges von ihrem Leben in Los Angeles mit. Eigentlich wollte sie dort lediglich ihr fünftes Album „Ancient Dreams in a Modern Land“ aufnehmen und dann wieder nach London zurückkehren, doch während des ersten Lockdowns beschloss die Waliserin, ganz nach Kalifornien zu ziehen. Mit ihrer schwarzen Katze, die sich lautstark bemerkbar macht, nachdem sie aufgewacht ist. Daran ist die 35-Jährige gewöhnt, somit bringt sie das Miauen nicht gleich aus der Fassung. Sie redet völlig gelassen weiter über das Konzept ihres jüngsten Langspielers. Im Grunde sei er in zwei Teile geteilt, sagt sie: „Die erste Hälfte fokussiert sich mehr auf das Sozialkritische, dann kommen die Trennungssongs.“ Zu ihnen zählt zum Beispiel „I Love You, But I Love Me More“. Mit diesem Lied verabschiedet sich Marina, die ihren Künstlernamen Marina and the Diamonds schon mit ihrer letzten Platte „Love + Fear“ abgelegt hat, endgültig von ihrem Exfreund. Es knüpft musikalisch zweifellos mit seinem eingängigen Indie-Pop an das Debüt „The Family Jewels“ an – was im Übrigen für die meisten Nummern gilt. Eine bewusste Entscheidung sei das aber nicht gewesen, hält Marina dagegen: „Wahrscheinlich stellt sich dieser Sound einfach ein, wenn ich alleine schreibe.“ So entstanden Ohrwürmer wie „Purge the Poison“. In dieser Powerpop- Nummer bringt Marina allerlei Themen von Rassismus über Frauenhass, #MeToo, Quarantäne und Mutter Natur bis zu Menschlichkeit aufs Tableau. „Es hat 91 Botschaften“, witzelt sie. „Im Ernst: Dieser Track entstand zu Beginn der Pandemie, also in einer äußerst verwirrenden Zeit. Mein Ziel war es, Schnappschüsse des 21. Jahrhunderts einzufangen.“ Mal erinnert sie daran, wie sich Britney Spears 2007 ihre Haare abrasiert hat. Mal beschwört sie den Harvey-Weinstein-Missbrauchsskandal herauf: „Letztlich wirft dieser Song die Frage auf: Was ist eigentlich Weiblichkeit?“ Die Bedürfnisse der Frauen treiben Marina auch in dem Stück „Man‘s World“, für dessen Produktion sie sich ein rein weibliches Team zur Seite stellte, um. Da spricht sie mit der Zeile „I don‘t wanna live in a man‘s world anymore“ Klartext. „Ich kämpfe jeden Tag gegen das Patriarchat“, erklärt sie. „Meiner Ansicht nach profitieren Männer von Gleichberechtigung nicht weniger als wir Frauen.“ Ginge es nach ihr, dann dürfte sich niemand über andere erheben. Insbesondere die Diskriminierung von Minderheiten wie LGBTIQ*-Bewegung geht ihr gegen den Strich. Nicht umsonst spielt sie in „Man‘s World“ auf einen Sultan an, der in seinem Land die Todesstrafe für Homosexuelle eingeführt hat. Gemeint ist Hassanal Bolkiah, ihm gehört das „Beverly Hills Hotel“ in Los Angeles. „Wie kann jemand auf der einen Seite ein wunderschönes Hotel besitzen, das bei der queeren Community extrem angesagt ist und auf der anderen Seite homophob sein“, empört sich Marina. „Ich habe gehört, dass dieser Mann in seiner Heimat Schwule zu Tode steinigen lässt.“ Nicht nur für die Künstlerin ist das ein Verstoß gegen die Menschenrechte: „Keiner sollte aufgrund seiner Sexualität verurteilt werden.“ *Dagmar Leischow

POP Lana Del Rey Seit etwa zehn Jahren lässt die Sängerin uns melancholisch werden – und das auch noch genießen. Unlängst erschien ihr neues Album: „Chemtrails over the Country Club“, das einmal mehr chillen und träumen lässt. „Vielleicht war ich mit meiner Geschichte und meinen Erlebnissen, die ich in die Songs einfließen ließ, zu ehrlich? Komplexität im Pop ist immer noch verwirrend für manche Menschen. Ich habe tatsächlich aus meinem Leben berichtet, und nicht nur nichtssagende, freundliche Sommerliedchen geträllert.“ Vertonte Sehnsucht, großer Pop. Lana Del Rey (geboren am 21. Juni 1985) haucht, singt und flüstert und macht auch ihr siebtes Studioalbum „Chemtrails over the Country Club“ – erhältlich als CD, Kassette, Download und auf Vinyl – zum großen Wurf. *rä COMEBACK KLEE trotz alledem Das Kölner Pop-Duo KLEE meldet sich zurück! 2021 starten Suzie und Sten mit neuen Hits und dem Album „TROTZALLEDEM“ wieder durch. Gerade jetzt in der Pandemie machen sie Mut und lenken ab von den alltäglich gewordenen (Corona-)Hiobsbotschaften aus aller Welt. Über KLEE: 2002 begann die Karriere der Band mit dem Klub-Hit „Erinner dich“, einem melancholischen Rückblick auf eine Beziehung, umschmeichelt von sanften Elektrobeats. 2005 gelang KLEE dann mit dem poppigen „Gold“ der erste richtige Hit und 2008 mit „Zwei Herzen“ aus dem Album „Berge versetzen“ dann der bisher größte Wurf in Sachen Vielfalt. 2011 folgte das bis dato erfolgreichste Album „Aus lauter Liebe“. Musiziert hat die Band bereits schon ab 1997, damals nannte man sich aber noch Ralley. 2015 erschien ihr letztes Album „Hello Again“ – Platz 23 war für die neuinterpretierten Schlager drin. Unsere Anspieltipps auf „TROTZALLEDEM“ sind „Kopfüber“, „Glitzer drauf“ und „Septembernebel“. *rä www.kleemusik.de EURODANCE Retro-Freuden auf Platte In den 1990ern gab es unzählige Musikprojekte, die mit wechselnden Sängerinnen sowie von Techno, Trance und House inspirierten Beats und nicht mehr als vier Sätzen pro Lied weltweit Hits landeten. Nicht alle waren schlecht. Zu den Guten gehört zum Beispiel Odyssey (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Soul-Disco-Formation). Dieses deutsche Eurodance-Projekt landete zwischen 1993 und 1998 diverse Hits und veröffentlichte zwei Alben – das eine gibt es jetzt erstmals auf Vinyl: „Love Train“. Unsere Anspieltipps sind die Chart-Erfolge „Move Your Body“, „Into The Light“ und „Riding on a Train“. Mit involviert bei Odyssey waren unter anderem DJs wie Quicksilver und Projekte wie U.S.U.R.A., gesungen hat immer die großartige Lisa Cash, die auch heute noch Erfolg hat – etwa mit und bei Nina Hagen, den Brothers Keepers/Sisters Keepers oder Samy Deluxe. *rä www.maschinarecords.com CD, 2xLP & DIGITAL “Unter all den großen Werken, die uns Pallett in den letzten anderthalb Jahrzehnten geschenkt hat, ist dies das größte, berührendste - und das verstörendste.“ ROLLING STONE GERMANY JULY 2020

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.