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blu Mai / Juni 2021

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16 KULTUR NACHGEFRAGT

16 KULTUR NACHGEFRAGT MARTIN TIETJEN: „Humor ist natürlich eine absolute Geschmackssache“ Buchautor, Moderator, Blogger – diesen Kerl kennt man unter anderem vom NDR, RTL, seinem Buch „Selbstrufmord“ und auch durch FluxFM Hamburg. Mittlerweile lebt Martin auch nicht mehr in seiner einstigen Wahlheimat Berlin, sondern in der schmucken Hansestadt Hamburg. Zeit für ein Interview! Du wohnst in einer WG in Hamburg. Mit wem, warum? Und warum Hamburg? Mir war Berlin irgendwann zu viel. Ich hatte das Gefühl, dass ich irgendwann alles gesehen und erlebt habe, und ich hatte Lust, wieder in meine Heimatstadt Hamburg zu ziehen. Da kamen eh ein paar Sachen zusammen. Mein Ex, sein anschließender Ex und ich wollten zusammenziehen. Klingt jetzt strange, aber irgendwie haben wir es alle geschafft, nach der Liebe eine echte und aufrichtige Freundschaft zu behalten. Andre und Hannes sind mittlerweile wie Familie für mich, und daher kam die Idee, eine Erwachsenen-WG zu gründen. So richtig mit spießigem Einfamilienhaus in der Vorstadt. Jeder hat seinen eigenen Bereich und gelegentlich trifft man sich im Garten, um mit unseren Hunden zu spielen. Ist eine WG eine feine Sache in Pandemiezeiten oder geht man sich eher auf den Keks? Die WG war unsere zufällige Rettung. Im März 2020 sind wir in das Haus gezogen. Quasi direkt vor dem ersten Lockdown. Ich glaube, wenn wir das nicht gemacht hätten, wären wir alle einsam in unseren jeweiligen Wohnungen eingegangen. In der ersten Zeit haben wir von dem Lockdown auch kaum was mitbekommen. Wir waren so damit beschäftigt, das Haus zu renovieren und einzurichten, dass bei uns der Corona- Blues erst im zweiten Lockdown eingesetzt hat. Natürlich fehlt es mir, auszugehen und zu feiern, aber „three is a party“. Langweilig wurde uns bisher nicht, und da jeder genug Platz für sich hat, geht man sich auch echt wenig auf den Keks. Wie hat sich dein Arbeitsleben durch Corona verändert? Mehr Homeoffice? Als der erste Lockdown kam, hatte ich wirklich für ein paar Wochen Panik im Gesicht stehen. Fest zugesagte Jobs wurden abgesagt, mein zweites Buchprojekt wurde auf Eis gelegt und der „Let’s Dance“-Podcast, den ich zu dem Zeitpunkt für RTL gemacht habe, wurde auch infrage gestellt. Reisen nach Köln ins TV-Studio waren halt nicht mehr wirklich möglich. Auch für das Buch war eigentlich geplant, mit meinem Bruder auf eine Reise zu gehen. Nach ein paar Tagen Stillstand und Ratlosigkeit hat man sich aber schnell an die Situation angepasst. Der Podcast wurde ins Homeoffice verlegt, und da es generell einfacher ist, Audio-Jobs leichter coronakonform umzusetzen, habe ich im August angefangen, für FluxFM in Hamburg die Morningshow zu moderieren. Du hast ein neues Projekt am Start: Postkarten. Ja, das war eher eine Schnapsidee, die auf einmal ernst wurde. Hannes, der Ex von meinem Ex, und ich haben eine Firma namens FCK YOU CARDS gegründet. Wir verkaufen lustige, fiese und aufmüpfige Grußkarten. Aber fangen wir vorne an. Wir beide waren auf einen Geburtstag eingeladen und wollten zur Flasche Wein noch eine Karte besorgen. Nachdem wir im Grußkartenregal aber nur kitschige und spießige Grußkarten finden konnten, dachten wir uns: „Wie lustig wäre eine Karte, auf der einfach nur steht: „Ich find dich scheiße, aber deine Partys sind geil – Happy Birthday!“ Aus dieser Idee sind mithilfe von Bier und einem befreundeten Grafiker dann insgesamt zwölf Sprüche und Designs entstanden. In einem selbst gezimmerten Webshop fingen wir an, die Karten zu verkaufen, und waren etwas erschlagen von den FOTO: M. RÄDEL immer mehr werdenden Bestellungen. Denn eigentlich war FCK YOU CARDS nur als kleines Spaß-Business an der Seite gedacht. Aber wir hatten Bock, die Idee größer werden zu lassen. Ziemlich schnell bin ich dann provisorisch zu Hannes in seine Wohnung gezogen. Das war, bevor wir zusammen in eine WG gezogen sind. Wir bauten das Wohn- und das Schlafzimmer im 5. OG zum Lager um, und ich baute mir in der Küche ein Hochbett auf, damit ich einen Platz zum Schlafen hatte. Unsere sehr vorstädtischen und konservativen Eltern waren zuerst gar nicht davon angetan, was ihre Söhne da für „furchtbare Sprüche“ verkaufen, aber irgendwann mussten auch sie anerkennen, dass es für den ganzen „Unsinn“ wohl eine echte Nachfrage gibt. Bis heute haben wir 500.000 Karten verkauft und unser Sortiment umfasst über fünfzig Motive zu den Themen Geburtstag, Weihnachten, Liebe, Freundschaft und Ostern. Und es gibt sogar ein Happy End: Um die ganzen Bestellungen bearbeiten zu können, helfen unserer Mamas beim Verpacken und Versenden der Karten mit. *Interview: Michael Rädel Das ganze Interview findet ihr auf männer.media. Mehr Features dieser Art gibt es auf Instagram/blumediengruppe.

KULTUR 17 STREAMING FOTOS: ARD DEGETO / ANDREA HANSEN ARD mit schwuler Serie Der Wonnemonat wirft seinen Schatten voraus, nein, er lässt seinen queeren Schein strahlen: Ab Mai soll die Serie „All You Need“ über den Alltag vierer schwuler Männer in der ARD-Mediathek zu sehen sein – in einem für die junge Zielgruppe maßgeschneiderten Shortform-Format, fünf Folgen à 20 Minuten. Die Serie gibt es ab 7. Mai in der ARD-Mediathek zu sehen. Sie wird am 16. Mai auch auf ONE ausgestrahlt. *rä „Noch immer werden im deutschen Fernsehen Charaktere aus der LGBTIQ*-Community hauptsächlich als Nebenfiguren erzählt. Ich freue mich, dies mit All You Need ändern zu können. Und das ist hoffentlich nur der Anfang“, so Regisseur Benjamin Gutsche. „Wir fangen endlich an, auf den Bildschirmen abzubilden, wie unsere Gesellschaft wirklich aussieht. So rückt Diversität ganz selbstverständlich in die Mitte unserer Arbeit“, ergänzt Nataly Kudiabor, Produzentin UFA Fiction **. Worum geht es in der Serie, die unter anderem im SchwuZ und in der Sauna Boiler gedreht wurde? Um Themen, die jeden betreffen können, natürlich in geballter Serienfassung und aus der queeren Perspektive (obwohl die Hauptdarsteller alle heterosexuell sind ...): „Die langjährige Beziehung, die plötzlich vor der Zerreißprobe steht. Der finanzielle Schuldenberg, der unaufhörlich wächst. Der One-Night-Stand, der nicht lockerlässt. Der Lebenstraum, der wie eine Seifenblase zu platzen droht. Die große Liebe, die unerwidert bleibt. Die Dramedy-Serie behandelt universelle Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann“, wird schriftlich vorab verraten. Die Serien-Charaktere sind: Langzeitstudent und Nachtschwärmer Vince (29), der geheimnisvolle Robbie (27, kleines Bild rechts), der zum Spießer mutierende Webdesigner Levo (34) und der erst spät geoutete Familienvater Tom (43). Schwuler Serienspaß mit Drama, Leidenschaft und einem diversen Cast, wir sind gespannt! VIER FRAGEN Frédéric Brossier, der den Robbie spielt, hatte Zeit für einen kurzen Chat mit uns. Es wurde im Vorfeld kritisiert, dass keiner der Hauptcharaktere im realen Leben wirklich schwul lebt, wie stehst du dazu? Ich kann die Irritation nachvollziehen und gleichzeitig habe ich nicht in diesen Kategorien gedacht, als man mir die Rolle angeboten hat. In einer Liebesbeziehung, die gezeigt wird, interessiert mich die sexuelle Ausrichtung der Schauspieler*innen nicht. Ich persönlich hätte es sogar schwierig gefunden, wenn mich die Produktion bei den Casting-Aufnahmen nach meiner sexuellen Orientierung gefragt hätte. Der Anstoß von Kampagnen wie #ActOut, die dieses Jahr veröffentlicht wurde, verändert sicherlich bei zukünftigen Produktionen die Besetzungsprozesse von queeren Rollen. Berührungsängste gab es nicht? Da ich vor der Kamera generell noch nie jemandem so nahe gekommen bin, war ich sehr gespannt, wie die Situation dann sein würde. Ich habe aber schnell Vertrauen in meine Kollegen und das Team gefasst, sodass ich mich gut aufgehoben gefühlt habe. Warum ist diese Serie wichtig? Einfach, weil es immer noch einen großen Teil unserer Gesellschaft gibt, der im Fernsehen nicht stattfindet. Es ist längst überfällig, dass es auch hierzulande eine Serie mit queeren Hauptrollen gibt. Dabei sollte das doch 2021 eine Selbstverständlichkeit sein. Als ich meinen Freunden aus der Heimat erzählt habe, dass ich Robbie spiele, waren sie erst einmal ein wenig erstaunt. Das hat mich aber auch noch mal mehr darin bestätigt, diese Rolle spielen zu wollen! Ich habe auch das Gefühl, dass immer mehr Bewusstsein für die Vielfalt unserer Gesellschaft entsteht und dass vor allem in der jüngeren Generation viel mehr Offenheit dafür herrscht. Deshalb ist es schön, daran anknüpfen zu können und dies mit einer Serie wie „All you need“ weiter zu fördern. Was erhoffst du dir von der Serie? Ich erhoffe mir, dass die Leute bei der Serie in vielerlei Hinsicht mitfühlen und erleben, dass Liebe nichts mit der Sexualität zu tun hat. Liebe ist frei und es ist egal, ob ich als Mann einen Mann liebe, als Frau eine Frau oder als Mann eine Frau – oder eben divers. Das Schöne an dieser Produktion für uns als Schauspieler war, dass auch wir uns in die Figuren verliebt haben. www.ardmediathek.de ** Die UFA Fiction produziert damit erstmalig Content im Auftrag der ARD Degeto exklusiv für die ARD-Mediathek

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.