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blu Januar/Februar 2021

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14 KULTUR INTERVIEW

14 KULTUR INTERVIEW FOTO: M. RÄDEL TOBIAS ECKE: Wir chatteten mit dem Wahlberliner Künstler Tobias Ecke über Corona und Rassismus. Alltagsrassismus ist dieses Jahr stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wie verhältst du dich, wenn du Rassismus etwa auf Social Media bemerkst? Social Media bieten ihren Nutzern Plattformen, um mit verschiedensten Meinungen und Weltanschauungen hausieren zu gehen. Diese Möglichkeit bleibt von der Mehrzahl der User auch nicht ungenutzt. Durch die Unmittelbarkeit von Social Media lassen die Nutzer ihre Hemmschwelle, menschenfeindliche Äußerungen von sich zu geben, hinter sich. Einem echten Diskurs können sie sich dabei jederzeit entziehen. Ich glaube, dass es sich hierbei um ein Grundproblem von Social Media handelt. Die Möglichkeit ist nicht gegeben, Nutzer durch Vernunft zur Überdenkung ihrer Ansichten zu bewegen. Leider überträgt sich dieses Problem auch in das echte Leben. Zunehmend verlernen die Menschen, eine gehaltvolle Unterhaltung zu führen. Ich selbst verleihe „… frei von Illusionen“ in meinen Bildern immer wieder gerne meinen Beobachtungen zu einseitigen Kommunikationen Ausdruck. Abschreckend und faszinierend zugleich, wie ich finde. Wurdest du aufgrund deiner Sexualität schon Zielscheibe homophober Häme? Verletzt dich das? In Berlin ist mir so etwas noch nicht passiert. Als ich noch in Merseburg gewohnt habe, gehörte es fast zum Alltag, von Leuten auf der Straße schief angeschaut zu werden. Damit bin ich jedoch immer ganz gut klargekommen. Nach wie vor hat sich auch nichts daran geändert, dass ich einen Großteil der Dorf- und Kleinstadtmenschen mindestens als genauso schräg empfinde, wie sie möglicherweise mich wahrnehmen. Inwiefern trifft dich die Corona- Pandemie, hast du Angst? In erster Linie hat mich die Pandemie in der Art, wie ich Entscheidungen, sei es in beruflicher oder privater Hinsicht, treffe, beeinflusst. Dabei habe ich festgestellt, dass mir das Agieren aus dem Bauch heraus mittlerweile wesentlich leichter fällt und deutlich mehr Einsatz findet, als es noch vor Corona der Fall war. Wahrscheinlich die für mich beste Lösung, um in einer Zeit, die frei von Illusionen wie Gewissheit und Planungssicherheit ist, nicht von ständiger Sorge und Angst begleitet zu sein. Wie trifft die Pandemie den Geschäftsmann Tobias Ecke? Es gibt so gut wie keine Aufträge mehr. Da geht es mir nicht anders als den meisten Solo-Selbstständigen. Das führte mit dazu, dass die Rolle des Geschäftsmanns eher in den Hintergrund gerückt ist. Im Vordergrund steht stattdessen der Künstler, meiner Auffassung nach konnte Kunst in krisenbehafteten Zeiten schon immer besonders gut gedeihen. Nach wie vor bleibt sie jedoch als Einnahmequelle sehr unsicher. Nichtsdestotrotz sagt mir aber mein Bauchgefühl, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. *Interview: Michael Rädel

AUSSTELLUNG Befreiung durch Fotografie KULTUR 15 Im Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchnerstraße in Berlin eröffnete schon im Herbst die bis 2021 andauernde schwule Ausstellung „Masculinities: Liberation through Photography“. Die Ausstellung ist momentan nur digital zu besuchen. Das „starke Geschlecht“ wird in dieser spannenden Gruppenausstellung auf verschiedenste Weise angegangen. Alte Stereotypen, das Übel des Patriarchats, queere Identitäten, Rassismus, Militär, sexuelle Reize – kaum ein Thema, das durch die Ausstellung nicht angeschnitten wird. Gezeigt werden Fotografien so unterschiedlicher Künstler wie Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Annette Messager sowie Wolfgang Tillmans und Rotimi Fani-Kayode. Ihnen allen gemeinsam ist, dass der Mann im Fokus der Kunst steht. „Masculinities: Liberation through Photography“ ist in sechs Abschnitte unterteilt: 1) Die Erschütterung des Archetyps, 2) Männliche Ordnung: Macht, Patriarchat und Raum, 3) Zu nah an Zuhause: Familie und Vaterschaft, 4) Männlichkeit, 5) Die Rückeroberung des schwarzen Körpers und 6) Frauen über Männer: Die Revidierung des männlichen Blicks. Spannende künstlerische Positionen durch die letzten sechs Jahrzehnte, ein Muss (nicht nur) für Männer. *rä „Masculinities: Liberation through Photography“, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Berlin, www.gropiusbau.de Hal Fischer, Street Fashion: Jock, Aus der Serie „Gay Semiotics“, 1977/2016, Carbonprint, Originalmaße des Bildes: ca. 76,2 x 61 cm; gerahmt: 79 x 63,6 x 3 cm, Courtesy: der Künstler; Project Native Informant London Sunil Gupta, Untitled 22, Aus der Serie „Christopher Street“, 1976, Silbergelatineabzug, Originalmaße des Bildes: 60,96 x 91,44 cm; gerahmt: 63 x 94 x 3,8 cm, Courtesy: der Künstler und Hales Gallery, Sunil Gupta & VG Bild-Kunst, Bonn 2020; all rights reserved, DACS 2019

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.